Bergbach - Hannes Gruber (nicht sicher)

Bergbach
CHF 100.00 *

inkl. Mehrwertsteuer

  • BP10881
Bergbach
Technik: wahrscheinlich Aquarell
Bildträger/Material: Papier
Rahmen: Holz
Grösse mit Rahmen: 91 x 74cm
Grösse ohne Rahmen: 71 x 55cm
Zustand: sehr gut, Rahmen hat oben und unten Kerben
Serie: 18/100

Hannes Gruber (nicht sicher)

Bearbeitungstiefe
 
 
Name

Gruber, Hannes

 
Lebensdaten
* 22.10.1928 Adliswil, † 9.4.2016 Sils/Segl Baselgia
 
Bürgerort
Adliswil (ZH), Aeugst am Albis (ZH), Oberrieden (ZH)
 
Staatszugehörigkeit
CH
 
Vitazeile
Maler. Relief und Kunst am Bau
 
Tätigkeitsbereiche
Malerei, Zeichnung, Illustration, Lithographie, Collage, Holzschnitt, Wandbild, Siebdruck, Kunst am Bau, Gouache, Mischtechnik, Relief
 
Lexikonartikel Jugend und Schulzeit in Oberrieden am Zürichsee. 1940 entstehen erste Aquarelle der Landschaft um Oberrieden. 1943–44 Besuch der Kunstgewerbeschule Zürich bei Ernst Gubler. 1944–48 Lehre als Grafiker bei Orell-Füssli in Zürich, daneben Kurse in der Malklasse von Ernst und Max Gubler an der Kunstgewerbeschule Zürich. Ab 1947 regelmässige Teilnahme an der Ausstellung Zürich-Land. 1948 Übersiedlung nach Grevasalvas im Oberengadin. Seither freier Maler. 1949 erste Malreise nach Oberitalien und Ausstellung Junge Zürcher Künstler im Kunsthaus Zürich. 1950 grosse Wandbilder für die Olma, St. Gallen, und Studienreise nach Holland. 1952 Reise nach Dänemark. Nach seiner Rückkehr nach Zürich 1954 eigenes Grafikatelier. 1966, 1981 und 1988 Sommeraufenthalte auf Sizilien, 1969 in Spanien. Atelier auf dem Hirzel bei Zürich. 1974 und 1985 Reisen nach New York. 1993 Organisation der Kunstaktion Oltre Confine – Grenzüberschreitung auf der italienisch-schweizerischen Grenze bei Castasegna und Villa di Chiavenna. Lebt ab 1972 in Sils-Baselgia und in Chiavenna.

Die frühen Zeichnungen und die Landschaften in Öl aus den 1940er-Jahren weisen Hannes Gruber noch als Gubler-Schüler aus. Die Übersiedlung in das abgeschiedene Grevasalvas, einen Schlüsselort für Grubers künstlerische Entwicklung, führt nach und nach zur Besinnung auf die eigene Veranlagung. Diese äussert sich zu Beginn noch in einer an Kirchner erinnernden expressiven Landschaftsauffassung. Das Bedrohliche, das bündnerische Landschaften unter solchen Vorzeichen annehmen können, kehrt sich im Laufe der 1960er-Jahre zum Sinnbild für die Bedrohung der Landschaft. Gruber versteht den Malakt im Freien bereits als «Übersetzung von Landschaft ins Bild». Diese rational gefilterte Wiedergabe von Landschaftserlebnissen befähigt ihn, die Umgebung im Bild mit Bedeutungen aufzuladen. Er zeigt etwa den Silsersee als eine aufgebrochene Landschaft in Bewegung, die sich gegen die touristische Domestizierung zu wehren scheint. Gruber erlebt das Naturschöne und das Kunstschöne als eine Einheit, die erhaltenswert ist. Der Landschaftsmaler Gruber wird zum Lichtmaler und entwickelt seine «Theorie der Um-Farbe», die sein künftiges Schaffen bestimmt. Eine Farbe isolieren, sie aus der Konfrontation mit den sie umgebenden Farben herauslösen, bedeutet für ihn, sie aus ihrem Funktionszusammenhang zu reissen.

Wegen der wachsenden Touristenströme malt Gruber die Landschaft nicht mehr vor dem Motiv, sondern im Atelier aus der Erinnerung. Die Grundlinien der vorgegebenen Landschaft verselbständigen sich zunehmend, sie lösen sich von den Formen, die sie eben noch umrissen haben. Sie fügen sich zu Strukturen von neuer bildnerischer Eigenständigkeit, in denen das einstige Eingebundensein in Landschaft nur noch zu ahnen ist. So lässt sich Schritt für Schritt Grubers Weg in die Abstraktion mitverfolgen. Die Gouachen vom Steinbruch in Sizilien von 1977 führen zur definitiven Loslösung der Form von ihrer natürlichen Vorlage. Was einst Form war, reduziert sich jetzt zum Zeichen, zur Abkürzung. Erfüllt hat sich dieses Vorgehen im systematisch angelegten Farbenatlas und im Zeichensystem von Sizilien aus den 1980er-Jahren. Die Faszination durch das Licht prägt jetzt Grubers Bildsprache definitiv. Die Gegenstände und vor allem die Zeichen, die dafür stehen, lösen sich in Licht auf. Statt der früher üblichen Addition der Erscheinungen im Bild fasst Gruber jetzt ihre Summe zu abstrakten Gemälden. Er lässt stets noch erkennen, dass Naturerfahrung der Auslöser seines Schaffens ist; die Erfahrung aber mischt sich mit dem Wissen um die physischen Bedingungen, die diese Eindrücke und Erfahrungen herbeigeführt haben. So bändigt jetzt Rationalität Grubers Licht- und Farbenwelt.

Werke: Mauerbilder, 1969, Ibiza, Balearen, Überbauung Stella Maris; dreidimensionale Wandgestaltung, 1971, Wädenswil, Schulhaus; vier integrierte Bilder, 1983–84, Maloja, Graubündner Kantonalbank; Wandgestaltung, 1972, Obersaxen, Ferienhaus der Schulgemeinde Wädenswil; Gestaltung der Mensa in der Berufsschule Promulins, 1982, Samedan; Farbkonzept, 1996, Spino-Bregaglia, Ospedale Fljn.

Peter K. Wehrli, 1998